PIRATEN entdecken Sicherheitslücke bei der Briefwahl

vom 23.08.2011 in Braunschweig, innere Sicherheit, Kandidaten, Pressemitteilung, Themen, Transparenz

Wahlfälschungen noch nie so einfach und anonym durchführbar.

“In Niedersachsen sind derzeit Kommunalwahlen. Somit habe ich mir Briefwahlunterlagen per Post zustellen lassen. Das einzige Problem: Es waren die meines Parteikollegen Julien Jassmann, für den Test natürlich mit seinem Einverständnis. Eine Prüfung der Berechtigung ist nicht vorgesehen. Wahlmanipulation war in Deutschland noch nie so einfach!” erläuterte Jens-Wolfhard Schicke-Uffmann, Kandidat für den Stadtrat Braunschweig.

Auf der Webseite der Stadt Braunschweig, kann jeder Briefwahlunterlagen beantragen. Adresse, Geburtsdatum und Anschrift des Empfängers eingeben, fertig. Auch die Ihrer Nachbarn, Freunde und Bekannten, sofern Sie die oben genannten Daten kennen.

Nicht nur von den zur Wahl antretenden Kandidaten sind diese Informationen leicht zu bekommen, sondern auch von beliebigen Menschen z.B. per Telefonabfrage, bei Firmen, aus Social Networks oder einfach nur durch Suchmaschinen im Internet.

Das Formular des Wahlamts ermöglicht die Zusendung an beliebige Adressen. Gedacht ist dies für Braunschweiger, die sich z.B. gerade im Urlaub befinden. Andersherum kann so dafür gesorgt werden, dass Briefwahlunterlagen mit einfachsten Mitteln von Unbefugten genutzt werden. Wahlfälschung so einfach, dass sie jeder begehen kann. Die Berechtigung die Unterlagen anzufordern und die Empfängeranschrift werden an keiner Stelle auf Legitimität überprüft.

Julien Jassmann, Betroffener und ebenfalls Kandidat für den Stadtrat meint: “Das hätte niemals funktionieren dürfen. Man stelle sich vor, ich stünde am 11. September nichts ahnend im Wahllokal und darf meine Stimme nicht abgeben. Und genau das kann jedem anderen Wahlberechtigten auch passieren.”

Diese vermeintlich nutzbringende Änderung sorgte auch für einen deutlichen Anstieg der Briefwahlen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Der Wunsch nach Vereinfachungen ist natürlich generell zu begrüßen, aber derartige Sicherheitslücken dürfen dabei einfach nicht entstehen. Bis sich eine simple Lösung findet, kommt man um eine gewisse Komplexität nicht herum. Ist man, wie hier, derart unachtsam, fliegt einem das System einfach nur um die Ohren.

Nachtrag 1:

Aus einem Artikel der NWZ Online: Der Osnabrücker Sozialwissenschaftler Dieter Otten von der Stiftung Internetforschung gab der Piratenpartei Recht. Das Problem sei unter Experten bekannt, aber: „Das Problem können Sie nicht lösen, es sei denn, Sie schaffen die Briefwahl ab“, sagte Otten, der sich als Forscher in Sachen Internet-Wahlen einen Namen gemacht hat.

Nachtrag 2:

Am 24.8.2011 hat Radio Okerwelle ein Interview mit Jens-Wolfhard Schicke-Uffmann (Kandidat für die Wahl zum Stadtrat) und dem braunschweiger Wahlleiter Herrn Klein ausgestrahlt. Wir haben nach Rücksprache die Genehmigung bekommen den Bericht hier online zu stellen.

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Es wurden bisher 28 Kommentare geschrieben - Kommentar schreiben

Siegfried Schlosser schrieb am 23. August 2011:

auch in Berlin können die Briefwahlunterlagen per Webinterface an eine beliebige Adresse angefordert werden.

Allerdings bekommt der Wahlberechtigte, dessen Name und Adresse benutzt wird, einen Brief an seine Meldeadresse, der diese tatsache dokumentiert. Wenn also jemand damit die Wahl verfälschen wollen würde, sollte es bei jedem auffallen…


Oliver Schoenemann schrieb am 23. August 2011:

Eine solche Bestätigung hat es in dem von uns getesteten Fall nicht gegeben. Wie wird in Berlin mit einem Einspruch verfahren, wenn die Person angibt nichts angefordert zu haben?


Siegfried Schlosser schrieb am 23. August 2011:

auch in Berlin können die Briefwahlunterlagen per Webinterface an eine beliebige Adresse angefordert werden.

Allerdings bekommt der Wahlberechtigte, dessen Name und Adresse benutzt wird, einen Brief an seine Meldeadresse, der diese tatsache dokumentiert. Wenn also jemand damit die Wahl verfälschen wollen würde, sollte es bei jedem auffallen…


Oliver Schoenemann schrieb am 23. August 2011:

Eine solche Bestätigung hat es in dem von uns getesteten Fall nicht gegeben. Wie wird in Berlin mit einem Einspruch verfahren, wenn die Person angibt nichts angefordert zu haben?


Hubert schrieb am 23. August 2011:

Leider ist es in Berlin nicht anders m(


Hubert schrieb am 23. August 2011:

Leider ist es in Berlin nicht anders m(


Weirdo Wisp schrieb am 23. August 2011:

In NRW wird meines Wissens per Postkarte auf die anstehende Wahl hingewiesen. Wer Briefwahl beantragt, muß eine Zahlenkombination, die auf dieser Infopostkarte steht, bei der Beantragung über das Internet (oder eben diese Infopostkarte) zusätzlich zu Namen, Geburtsdatum, Wohnanschrift angeben.

Das ist schon einmal deutlich sicherer, weil die Zahlenkombination viel weniger Leuten bekannt ist und nur schwerlich erraten werden kann. Sowas sollte Braunschweig (und andere Städte) auch einführen.


Weirdo Wisp schrieb am 23. August 2011:

In NRW wird meines Wissens per Postkarte auf die anstehende Wahl hingewiesen. Wer Briefwahl beantragt, muß eine Zahlenkombination, die auf dieser Infopostkarte steht, bei der Beantragung über das Internet (oder eben diese Infopostkarte) zusätzlich zu Namen, Geburtsdatum, Wohnanschrift angeben.

Das ist schon einmal deutlich sicherer, weil die Zahlenkombination viel weniger Leuten bekannt ist und nur schwerlich erraten werden kann. Sowas sollte Braunschweig (und andere Städte) auch einführen.


Hubert schrieb am 23. August 2011:

@Weirdo Wisp
in Berlin *kann* man die Stimmbezirksnummer (max. 3-stellig) und Wahlverzeichnis-Nr. (max. 4-stellig) angeben, muss man aber nicht? Sicher dass in NRW verplichtend ist?


Hubert schrieb am 23. August 2011:

@Weirdo Wisp
in Berlin *kann* man die Stimmbezirksnummer (max. 3-stellig) und Wahlverzeichnis-Nr. (max. 4-stellig) angeben, muss man aber nicht? Sicher dass in NRW verplichtend ist?


Name schrieb am 23. August 2011:

Angeblich wählen in Braunschweig um 20.000 Wahlberechtigte bei Kommunalwahlen per Briefwahl, bei Bundestagswahlen nochmal gut 50% mehr (=30k).


Name schrieb am 23. August 2011:

Angeblich wählen in Braunschweig um 20.000 Wahlberechtigte bei Kommunalwahlen per Briefwahl, bei Bundestagswahlen nochmal gut 50% mehr (=30k).


Name schrieb am 23. August 2011:

http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/10195179/artid/14743857 tut so, als würden sie das Problem nicht verstehen.

Nicht die Beantragung der Briefwahlunterlagen an sich ist das Problem, das Problem ist die sorglose Versendung an beliebige Adressen ohne Prüfung, ob irgendeine Vollmacht vorliegt und ohne Abfrage von “Sicherheitsmerkmalen”, die über das Geburtsdatum und die Adresse hinausgehen.


Name schrieb am 23. August 2011:

http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/10195179/artid/14743857 tut so, als würden sie das Problem nicht verstehen.

Nicht die Beantragung der Briefwahlunterlagen an sich ist das Problem, das Problem ist die sorglose Versendung an beliebige Adressen ohne Prüfung, ob irgendeine Vollmacht vorliegt und ohne Abfrage von “Sicherheitsmerkmalen”, die über das Geburtsdatum und die Adresse hinausgehen.


Name schrieb am 23. August 2011:

“Von den wahlberechtigten 199.456 Braunschweigerinnen und Braunschweigern haben eine Woche nach Öffnung der Briefwahlzentrale bereits mehr als 8.000 einen Antrag auf Briefwahl gestellt.”
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/804200.html?CFID=15259&CFTOKEN=99383728


Name schrieb am 23. August 2011:

“Von den wahlberechtigten 199.456 Braunschweigerinnen und Braunschweigern haben eine Woche nach Öffnung der Briefwahlzentrale bereits mehr als 8.000 einen Antrag auf Briefwahl gestellt.”
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/804200.html?CFID=15259&CFTOKEN=99383728


Benjamin schrieb am 23. August 2011:

Ach du Sch****. Das macht die Wahl doch im nachhinein anfechtbar? Genau genommen dürften diese Stimmen gar nicht mehr berücksichtigt werden. Das System müßte sofort überarbeitet werden, aber das wird ja wohl kaum bis zur Wahl passieren.


Benjamin schrieb am 23. August 2011:

Ach du Sch****. Das macht die Wahl doch im nachhinein anfechtbar? Genau genommen dürften diese Stimmen gar nicht mehr berücksichtigt werden. Das System müßte sofort überarbeitet werden, aber das wird ja wohl kaum bis zur Wahl passieren.


Name schrieb am 24. August 2011:

‘Der Osnabrücker Sozialwissenschaftler Dieter Otten von der Stiftung Internetforschung gab der Piratenpartei Recht. Das Problem sei unter Experten bekannt, aber: „Das Problem können Sie nicht lösen, es sei denn, Sie schaffen die Briefwahl ab“, sagte Otten’

http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Niedersachsen/NWZ/Artikel/2674683/Briefwahlverfahren-kritisiert.html


Name schrieb am 24. August 2011:

‘Der Osnabrücker Sozialwissenschaftler Dieter Otten von der Stiftung Internetforschung gab der Piratenpartei Recht. Das Problem sei unter Experten bekannt, aber: „Das Problem können Sie nicht lösen, es sei denn, Sie schaffen die Briefwahl ab“, sagte Otten’

http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Niedersachsen/NWZ/Artikel/2674683/Briefwahlverfahren-kritisiert.html


Name schrieb am 24. August 2011:

Wahre Profis! Ein Schelm, wer “Ablenkungsmanöver!” dabei denkt:

“In wenigen Fällen falsche Stimmzettel versandt”
“Nach derzeitigen Erkenntnissen sei davon auszugehen..”
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/804413.html?CFID=9204040&CFTOKEN=65425704


Name schrieb am 24. August 2011:

Wahre Profis! Ein Schelm, wer “Ablenkungsmanöver!” dabei denkt:

“In wenigen Fällen falsche Stimmzettel versandt”
“Nach derzeitigen Erkenntnissen sei davon auszugehen..”
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/804413.html?CFID=9204040&CFTOKEN=65425704


Sicherheitslücke bei der Briefwahl in Niedersachsen | Flaschenpost schrieb am 29. August 2011:

[…] noch waren nie so einfach und anonym durchführbar. Die Piraten in Niedersachsen haben aufgedeckt, dass das genutzte Briefwahlsystem bei den […]


Sicherheitslücke bei der Briefwahl in Niedersachsen | Flaschenpost schrieb am 29. August 2011:

[…] noch waren nie so einfach und anonym durchführbar. Die Piraten in Niedersachsen haben aufgedeckt, dass das genutzte Briefwahlsystem bei den […]


kojack schrieb am 2. January 2013:

hallo ich denke man sollte die wahlunterlagen einfach per persönlichem einschreiben/Einschreiben EIGENHÄNDIG versenden mit vorlage des personalausweises bei der übergabe!ist kostenaufwendiger damit ist das problem doch irgendwie gelöst oder täusche ich mich da? habe übrigens gerade mein stimmzettel per post bekommen. hoffe auf eure antworten! mfg kojack


kojack schrieb am 2. January 2013:

hallo ich denke man sollte die wahlunterlagen einfach per persönlichem einschreiben/Einschreiben EIGENHÄNDIG versenden mit vorlage des personalausweises bei der übergabe!ist kostenaufwendiger damit ist das problem doch irgendwie gelöst oder täusche ich mich da? habe übrigens gerade mein stimmzettel per post bekommen. hoffe auf eure antworten! mfg kojack


Barbara Kube » Harte Landung schrieb am 22. February 2013:

[…] nächste Führungsgespann abgegeben, Rotgrüne Koalition. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wahlmanipulation ist in dieser Bananenrepublik Deutschland die leichteste Übung.  “Wenn Wahlen etwas ändern […]


Barbara Kube » Harte Landung schrieb am 22. February 2013:

[…] nächste Führungsgespann abgegeben, Rotgrüne Koalition. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wahlmanipulation ist in dieser Bananenrepublik Deutschland die leichteste Übung.  “Wenn Wahlen etwas ändern […]


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