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Über 6.000 Bür­ger erhe­ben Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen Überwachungsgesetz

In einer kon­zer­tier­ten Akti­on haben Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei Deutsch­land mit der Bear­bei­tung der Sam­mel-Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die Bestands­da­ten­aus­kunft begon­nen. Ins­ge­samt 6.373 Bür­ger haben seit Mit­te Mai von der Mög­lich­keit Gebrauch gemacht, sich an der Beschwer­de zu betei­li­gen. Die bei­den Initia­to­ren der Kla­ge, die poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten­par­tei Katha­ri­na Nocun und Patrick Brey­er, Mit­glied der Pira­ten­frak­ti­on im Land­tag Schles­wig-Hol­stein, nah­men am Frei­tag 18 gefüll­te Akten­ord­ner mit Voll­mach­ten ent­ge­gen. Nach ihrer Bear­bei­tung unter Auf­sicht von Rechts­an­walt Mein­hard Sta­ro­stik wer­den die­se dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he übergeben.

Katha­ri­na Nocun
Poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten­par­tei Deutschland

Zum Hin­ter­grund der Beschwer­de sagt Katha­ri­na Nocun, poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, in Ber­lin: »Das neue Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz zeigt erschrecken­de Par­al­le­len zum NSA-Skan­dal. Das Schnüf­fel­ge­setz ermög­licht es, auto­ma­ti­siert hoch­pri­va­te Daten wie Pass­wör­ter abzu­fra­gen. Inter­net­nut­zer dür­fen schon bei ein­fa­chen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten und ohne rich­ter­li­che Prü­fung von Behör­den iden­ti­fi­ziert wer­den, und Geheim­dien­ste bekom­men sogar einen gene­rel­len Frei­fahrt­schein für die Iden­ti­fi­zie­rung von Nut­zern. Wir freu­en uns, dass 6.373 Mit­klä­ger die­sen erschrecken­den Ver­fas­sungs­bruch mit uns gemein­sam in Karls­ru­he stop­pen wer­den.«

Brey­er war bereits ein­mal erfolg­reich gegen die erste, von Rot-Grün ver­ab­schie­de­te Rege­lung zur Bestands­da­ten­aus­kunft vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gezo­gen. Sie wur­de im Janu­ar 2012 für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt. Auch gegen die im März von Uni­on, SPD und FDP ver­ab­schie­de­te Neu­re­ge­lung hat der Pirat Brey­er gemein­sam mit sei­ner Mit­strei­te­rin Nocun am 1. Juli mit dem Inkraft­tre­ten des neu­en Geset­zes Beschwer­de eingelegt.

Patrick Breyer
Dr. Patrick Brey­er, Daten­schutz­ak­ti­vist und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei im Kie­ler Landtag

»Die eta­blier­ten Par­tei­en sind erkenn­bar unfä­hig, ver­fas­sungs­kon­for­me Geset­ze zu erlas­sen. Die Neu­re­ge­lung der Bestands­da­ten­aus­kunft ver­fehlt nicht nur die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, son­dern ist durch die vor­ge­se­he­nen Schnitt­stel­len sogar noch aus­ge­wei­tet wor­den. Die­ser Angriff auf unse­re Pass­wör­ter und unse­re Anony­mi­tät im Inter­net muss gestoppt wer­den!«, so Breyer.

Die Pira­ten­par­tei Deutsch­land setzt sich in ihrem Wahl­pro­gramm für ein gesetz­lich garan­tier­tes Recht auf anony­me Inter­net­nut­zung sein.

Quel­len:
[1] Flickr: http://www.flickr.com/photos/piratenpartei/sets/72157635292534889/
[2] https://stopp-bda.de/
[3] Beschwer­de­schrift gegen die Bestands­da­ten­aus­kunft: http://bestandsdatenauskunft.de/wp-content/uploads/2013/07/BDA-Verfassungsbeschwerde.pdf
[4] Liste von Über­wa­chungs­ge­set­zen: http://www.daten-speicherung.de/index.php/ueberwachungsgesetze/