Gemein­sa­mer Kom­men­tar der 1. Vor­sit­zen­den der Pira­ten­par­tei Han­no­ver und Pira­ten­par­tei Braun­schweig zum Niedersachsen-Derby

Schön wäre es gewe­sen, wenn beim Der­by zwi­schen Ein­tracht Braun­schweig und Han­no­ver 96 sol­chen Lip­pen­be­kennt­nis­sen auch Taten gefolgt wären. Statt in den Ver­eins­far­ben erschie­nen vie­le Besu­cher bei­der Ver­ei­ne teil­wei­se ver­mummt und in schwarz: Demo­cha­rak­ter statt Sta­di­on-Fee­ling, Hub­schrau­ber­ein­satz und Was­ser­wer­fer beim Fan­marsch inklu­si­ve. Bereits am Vor­tag kam es beim Gäste­trai­ning zu einem gefähr­li­chen Zwi­schen­fall [1]. Wei­te­re ereig­ne­ten sich am Der­by­tag in Form von ver­such­ter Sta­di­oner­stür­mung durch die Gäste­fans, sowie han­nö­ver­sche Ben­ga­los wäh­rend des Spiels [2].
Lan­ge im Vor­feld wur­de die Begeg­nung als Hoch­ri­si­ko­spiel ein­ge­stuft – geschul­det einer Min­der­heit an „Fans“, die ihre Aggres­sio­nen durch ein fan­un­wür­di­ges Ver­hal­ten ausleben.

Car­sten Sawosch CC-BY Tobi­as M. Eckrich
„Mit sport­li­chem Ver­hal­ten hat das alles nichts mehr zu tun, weder auf Sei­ten der Fans noch der Sicher­heits­be­hör­den“, kom­men­tiert Car­sten Sawosch, 1. Vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei Han­no­ver, das Nie­der­sach­sen-Der­by. „Fair waren nur die Mann­schaf­ten Han­no­ver 96 und Ein­tracht Braun­schweig. Unfair hin­ge­gen ist das Aus­he­beln der Fan­rech­te, wegen eini­ger Weni­ger, die ein sol­ches Event für ihre eige­nen Zwecke miss­brau­chen. Denn sobald man nur ein Sta­di­on betritt wird jeder Besu­cher mit den Kon­trol­len und Durch­su­chun­gen unter Gene­ral­ver­dacht gestellt, wäh­rend die Unschulds­ver­mu­tung sowie die Rechts­staats­prin­zi­pi­en schein­bar nur auf der Ersatz­bank Platz neh­men dür­fen. Sitzt der Besu­cher dann auch noch zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort, lan­det er mög­li­cher­wei­se in der Datei „Gewalt­tä­ter Sport“ und weiss nicht ein­mal davon. Dar­über infor­miert wer­den soll­te jeder betrof­fe­ne Fan, unab­hän­gig davon, ob er schon ein­mal im Zusam­men­hang mit Fuß­ball­spie­len auf­fäl­lig gewor­den ist oder nicht. Bür­ger­rech­te gel­ten näm­lich für Alle und enden nicht am Sta­di­on­tor“, führt Sawosch, der auch stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei Deutsch­land ist, wei­ter aus.

Gehei­me Datensammlungen
Die genann­te, rela­tiv wenig bekann­te Datei (DGS) exi­stiert bereits seit Jah­ren sei­tens der Poli­zei­be­hör­den und erfasst Gescheh­nis­se rund um Fuss­ball­spie­le. Außer­dem gibt es die „Arbeits­da­tei Sze­ne­kun­di­ger Beam­ter“ (SKB-Datei). In ihr wer­den Infor­ma­tio­nen zu Vor­komm­nis­sen und Auf­fäl­lig­kei­ten mit Per­so­nen­da­ten zusam­men­ge­führt und bewer­tet, um das Gefah­ren­po­ten­zi­al und die zu ergrei­fen­den Mass­nah­men im Vor­feld eines Fuss­ball­spie­les ablei­ten zu kön­nen [3]. PIRATEN wür­den es „glas­ku­geln“ nen­nen. Bis 2013 waren deutsch­land­weit ca. 18.000 Men­schen – meist ohne ihr Wis­sen – regi­striert. [4]

Daten­schutz, infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung: In der Sache vereint
Gegen die­se Pra­xis bei der SKB-Datei ist jetzt die Land­tags­frak­ti­on der Pira­ten­par­tei in Nord­rhein-West­fa­len erfolg­reich vor­ge­gan­gen. Dem­nach müs­sen zukünf­tig alle Fuß­ball­fans aus NRW benach­rich­tigt und über die Ver­wen­dung ihrer Daten infor­miert wer­den, sobald die­se der Datei hin­zu­ge­fügt wer­den. Dies gilt eben­falls für bereits vor­han­de­ne Daten. Auch wur­de die Spei­cher­dau­er auf fünf Jah­re beschränkt. [5] Ein erster Schritt, um die Fan­rech­te zu stär­ken, denn ohne die Infor­ma­ti­on der Spei­che­rung konn­te sich bis­her auch nie­mand zur Wehr setzen.
Unter­stüt­zung erhielt die Land­tags­frak­ti­on der PIRATEN von der Arbeits­ge­mein­schaft Fan­an­wäl­te [http://www.fananwaelte.de]. Sie for­dern die sofor­ti­ge Umset­zung der Benach­rich­ti­gungs­pflicht sowie eine Ein­füh­rung der Rege­lung auch in den rest­li­chen Bun­des­län­dern. [6]

Dia­log auf Augen­hö­he – Fan­kul­tur erhalten

Ste­fan Zander
„Nur im gemein­sa­men Dia­log, auf Augen­hö­he zwi­schen Fuß­ball­fans und ihren Ver­ei­nen, sowie den Ver­bän­den und der Poli­tik, kann ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Rah­men geschaf­fen wer­den, der nicht auf Kol­lek­tiv­stra­fen, Vor­ver­ur­tei­lung und Dis­kri­mi­nie­rung gegen­über Sport­fans setzt“, erklärt Ste­fan Zan­der, 1. Vor­sit­zen­der des Stadt­ver­ban­des der PIRATEN in Braun­schweig. „Das gilt auch für Ben­ga­los und Pyro­tech­nik – so lang es kei­ne geeig­ne­ten, siche­ren Orte in Sta­di­en für ein kon­trol­lier­tes Abbren­nen gibt, wer­den die­se aus Angst vor Repres­sa­li­en immer wie­der im Schut­ze der Mas­sen gezün­det wer­den und stel­len somit eine viel grö­ße­re Gefahr für Umste­hen­de dar. Dass auch noch so aus­ge­feil­te Kon­troll­in­stan­zen kei­ne Abhil­fe schaf­fen kön­nen, hat das Nie­der­sach­sen-Der­by wie­der ein­drucks­voll bewiesen“.

Die Pira­ten­par­tei setzt sich seit Jah­ren für die Stär­kung der Bür­ger- und somit auch Fan­rech­te [7] und gegen Daten­sam­mel­wut, wie die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein. PIRATEN scheu­en auch nicht den Weg vor das Bundesverfassungsgericht.
Sie kla­gen – auch für Dei­ne Bürgerrechte!

Quel­len:
[1] http://regionalbraunschweig.de/derby-zwischenfall-biada-von-querschlaeger-am-ohr-getroffen/
[2] http://www.ndr.de/sport/fussball/zweitebundesliga/Derby-183-Braunschweiger-Chaoten-festgesetzt,niedersachsenderby230.html
[3] http://www.westline.de/neben-dem-platz/polizei-soll-fans-kuenftig-aktiv-ueber-gespeicherte-daten-informieren
[4] https://www.piratenpartei.de/2013/08/08/piraten-stellen-ihre-kampagne-menschenrechte-enden-nicht-am-stadiontor-vor/
[5]http://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/datenspeicherung-fussball-fans-100.html
[6] https://www.piratenfraktion-nrw.de/2017/03/piraten-zwingen-rot-gruen-zum-handeln-informationspflicht-fuer-fussballfans-kommt/
[7] https://flaschenpost.piratenpartei.de/2013/05/11/piratenpartei-beschliest-der-starkung-von-fanrechten/